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Rückkehr in die Kaiserpfalz
Philharmonische Gesellschaft stellt Konzertprogramm für die neue Spielzeit vor
PADERBORN (WV). Die Philharmonische Gesellschaft Paderborn hat endlich wieder Heimspiele. Nachdem die Kaiserpfalz wegen der Westfalen-Ausstellung blockiert war, steht sie nun für Konzerte zur Verfügung. Fünf der sechs in der neuen Spielzeit werden dort zu hören sein.
In der vergangenen Saison fand nur ein einziges Konzert in der Kaiserpfalz statt, die Philharmonische Gesellschaft wich unter anderem auf das Theater und die Abdinghofkirche aus. Umso erleichterter sind jetzt die Verantwortlichen.
„Die Kaiserpfalz erinnert mich an Konzerte in Wiener Palaissälen, es herrscht eine intime Atmosphäre, das Publikum sitzt auch seitlich nah dran und kann den Musikern in die Noten schauen“, schwärmt der Künstlerische Leiter Thomas Berning.
Die stellvertretende Vorsitzende der Philharmonischen Gesellschaft, Beate Brockmeyer, tut es ihm gleich: „,Ich liebe dieses Gebäude und auch die alten Stühle, die sind bequem und man kann lange auf ihnen sitzen. Und die Akustik in der Kaiserpfalz wird von den Künstlern gelobt.“
310 Plätze stehen für Konzerte zur Verfügung. Die sind immer gut besucht, denn es gibt allein 180 Abonnenten. Die Philharmonische Gesellschaft Paderborn hat mittlerweile 400 Mitglieder und geht mit der Zeit. Die Mitglieder können neuerdings online platzgenau Karten buchen.
Der Besuch der Konzerte der Philharmonischen Gesellschaft Paderborn lohnt sich in jedem Fall. Thomas Berning betonte bei der Vorstellung des Programms für die neue Spielzeit: „Das Wichtigste für mich als Künstlerischer Leiter ist: nicht am Niveau sparen. Die Qualität hat immer Vorrang.“
Die neue Spielzeit umfasst wie gewohnt sechs Konzerte und beginnt traditionell am 3. Oktober, dem Tag der deutschen Einheit. Ab 18 Uhr werden zwei Werke von Mozart (Ouvertüre zu „La clemenza di Tito“ und die Jupiter-Sinfonie) sowie das Konzert für Klarinette und Orchester Nr. 2 Es-Dur op. 57 von Louis Spohr zu hören sein. Es spielt das Orchester der Philharmonischen Gesellschaft, das sich aus Profimusikern aus dem Niedersächsischen Staatsorchester und der NDR-Radiophilharmonie in Hannover zusammensetzt, und der Solo-Klarinettist des HR-Sinfonieorchesters in Frankfurt, Jochen Tschabrun. Beate Brockmeyer freut sich noch aus einem anderen Grund sehr auf den 3. Oktober: „Das Konzert wird besonders feierlich, weil mit der Nationalhymne gestartet wird.“
Das erste Kammerkonzert' der neuen Spielzeit ist für Samstag, 8. November, anberaumt. Mit dem Delian::Quartett kommen gute Bekannte in die Kaiserpfalz - die Gruppe hatte sich 2007 innerhalb der Philharmonischen Gesellschaft gegründet. Die Zuhörer dürfen sich auf Werke von Dmitri Schostakowitsch, William Byrd und Ludwig van Beethoven freuen.
Das dritte Konzert am Sonntag, 24. Januar, wird in der Paderhalle stattfinden. Die Jungen Sinfoniker OWL werden unter Beweis stellen, dass in Sachen klassischer Musik nicht nur in China hoffnungsvoller Nachwuchs heranreift. Dirigiert von Anne Hinrichsen und von Julian Gast am Klavier begleitet, wagen sich die Jungen Sinfoniker an das Klavierkonzert Nr. 1 von Johannes Brahms heran. Hinzu kommen Werke von Antonín Dvořák und Kurt Weill.
Am 21. Februar 2027 dirigiert dann wieder Thomas Berning in der Kaiserpfalz. Das Streichorchester der Phil-harmonischen Gesellschaft Paderborn wird unter anderem die Sinfonia Nr. 9 C-Dur zu Gehör bringen, die das musikalische Wunderkind Felix Mendelssohn Bartholdy im Alter von zwölf bis 14 Jahren geschrieben hat.
Einen Shootingstar an der Violine gibt die Philharmonische Gesellschaft am Sonntag, 11. April, in der Kaiserpfalz eine Bühne. Gemeint ist Júlia Pusker, der Thomas Berning einen „fantastischen Karrierestart“ attestiert. In Paderborn wird sie mit ihrem Klavier-Partner János Palojtay auftreten und auf einer „Massart“-Geige von Antonio Stradivari musizieren, die um das Jahr 1714 gebaut wurde. Auf dem Programm stehen Werke von Clara Schumann, Ludwig van Beethoven und Franz Schubert.
Zum Abschluss der Spielzeit kommt es zu einem „Familien-Joint-Venture“, wie es Thomas Berning ausdrückt. Am 13. Juni nehmen sowohl er als auch sein Sohn Kolja den Dirigentenstab in die Hand. Den ersten Teil des Mozart-Abends wird Kolja Berning mit der Geigerin Flavia Napolitano gestalten, die bereits im Dezember 2025 das Publikum in der Abdinghofkirche verzaubert hatte. Im zweiten Teil des Konzerts wird dann Thomas Berning am Pult stehen.
Die Philharmonische Gesellschaft Paderborn existiert seit 1988 und hat sich zu einem bedeutenden Kulturträger der Stadt entwickelt. Sie finanziert ihr Programm aus Mitgliedsbeiträgen, Eintrittsgeldern und Spenden. In der Vergangenheit wurde sie von der Stadt unterstützt, aber deren Haushaltslage ist bekanntlich inzwischen desaströs. „Wir sind eine Bürgerinitiative und im Großen und Ganzen von der Förderung der Stadt unabhängig“, erläuterte Thomas Beming.
Beim Publikum baue man auf die mittlere Generation, die in klassische Musik hineingewachsen ist und deren Kinder groß sind. Beate Brockmeyer hat nach der für Musiker und Orchester teilweise existenzbedrohenden Corona-Zeit erfreut festgestellt: „Die Leute gehen wie-der raus und brauchen Kultur.“
Die Tickets für die Konzerte in der kommenden Saison, die um 18 Uhr beginnen, kosten zwischen 22 und 44 Euro, die Preise für die Karten für den Auftritt der Jungen Sinfoniker in der Paderhalle bewegen sich zwischen 16.50 und 22 Euro. Eine Mitgliedschaft in der Philharmonischen Gesellschaft (www.phg-pader-born.de) kostet 40 Euro im Jahr. Die Gesellschaft unter stützt auch das „Kulturticket" der Universität: Gibt es vor Konzertbeginn noch Restkarten, können Studierende kostenlos zuhören.
aus: Westfälisches Volksblatt, Paderborn, 19. September 2026, Text und Foto von Dietmar Kemper

