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Niveauvolle Klangkunst in Paderborn

Leipziger Gewandhaus-Quartett begeistert das Publikum in der Abdinghofkirche

Niveauvolle Klangkunst in Paderborn

PADERBORN (WV). Mit dem Leipziger Gewandhaus-Quartett ist eins der renommiertesten Streichquartette der Welt in Paderborn aufgetreten. Als Gast der Philharmonischen Gesellschaft Paderborn spielte das Ensemble am Samstag (9. Mai) in der Abdinghofkirche.

Das Leipziger Gewandhaus-Quartett besteht seit seiner Gründung im Jahr 1808 ohne Unterbrechung und gilt als ältestes kontinuierlich existierendes Streichquartett überhaupt.

Seine Gesamteinspielung der Beethoven-Quartette aus dem Jahr 1974 wurde 2004 mit dem Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet.

Im Paderborner Konzert widmeten sich die derzeitigen Mitglieder Frank-Michael Erben und Yun-Jin Cho (beide Violine), Vincent Aucante (Viola) sowie Isang Enders (Violoncello) der Musik Ludwig van Beethovens (1770-1827) und spannten mit drei Werken einen Bogen über die großen Schaffensperioden des Komponisten. Dabei wurde deutlich, wie sehr Beethoven die Gattung des Streichquartetts geprägt und weiterentwickelt hat.

Den Auftakt bildete das Streichquartett Nr. 4 c-Moll op. 18, aus dem Jahr 1799, das dramatischste der frühen Quartette. Bereits hier zeigt sich jener „heroische“ Beethoven, dessen musikalische Sprache in Werken wie der fünften Symphonie ihre Vollendung fand. Die charakteristische c-Moll-Dramatik, der Sturm- und Drang-Gestus und die formale Klarheit wurden vom Gewandhaus-Quartett mit höchster Präzision herausgearbeitet. Besonders beeindruckte die differenzierte Dynamik, mit der die Musiker selbst feinste Stimmungsnuancen gestalteten.

Im Zentrum des Abends stand das berühmte Streichquartett Nr. 10 Es-Dur op. 74, das sogenannte „Harfenquartett“, das 1811 immerhin vom Gewandhaus-Quartett uraufgeführt wurde. Seinen Beinamen verdankt das Werk den markanten Pizzicato-Figuren der ersten beiden Sätze. Das Ensemble machte die Übergangsstellung dieses Quartetts zwischen den heroischen „Rasumowsky“-Quartetten und den späten, introspektiven Werken Beethovens eindrucksvoll hörbar. Das rhythmische Motiv des dritten Satzes erinnert an das Kopfmotiv der zuvor entstandenen fünften Symphonie. Bei den anschließenden Variationen im Finalsatz überzeugten die Musiker durch exzellente Balance, saubere Intonation und eine bis ins Detail abgestimmte Gestaltung.

Mit dem späten Streichquartett Nr. 15 a-Moll op.132 erklang schließlich eines der kühnsten und spirituellsten Werke Beethovens. In dessen Zentrum steht der berühmte „Heilige Dankgesang eines Genesenen an die Gottheit, in der lydischen Tonart“ und wird dadurch zu einem der erhabensten langsamen Sätze der Musikgeschichte.

In der gesamten Interpretation offenbarte sich Beethoven nicht nur als musikalischer Revolutionär, sondern auch als beinahe kontemplativer Klangvisionär. Das Gewandhaus-Quartett gestaltete diese Musik mit höchster Konzentration und einer geradezu atemberaubenden Sensibilität für leise Töne. Klangideale wurden bedeutend, und jedes Detail wirkte minutiös einstudiert. Zugleich meisterten die Musiker enorme Tempi und technische Herausforderungen mit souveräner Selbstverständlichkeit.

Die komplexen     musikalischen Kosmen von Beethovens Quartetten wurden thematisch transparent entfaltetkontrapunktische Verflechtungen, Sonatenstrukturen und Beethovens Variationskunst kamen überzeugend zur Geltung. Mit gekonnter Spieltechnik offenbarten die Musiker ungeahnte    Klangwelten und machten erfahrbar, wie weit Beethoven seiner Zeit voraus war.

Am Schluss dankte das spürbar beeindruckte Publikum den Künstlern mit lang-anhaltendem Beifall.

aus: Westfälisches Volksblatt, Paderborn, 11. Mai 2026, Text und Foto von Hermann Knaup


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