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Klassik in der Kaiserpfalz

Die Philharmonische Gesellschaft startet in die neue Saison und lädt zu sechs Konzerten

Klassik in der Kaiserpfalz

Die Paderborner setzen bewusst auf Klassiker wie Mozart und Beethoven. Doch es gibt auch Neuerungen

Paderborn. Hier steht Klassik drauf, und es ist auch Klassik drin. Die Philharmonische Gesellschaft Paderborn präsentiert ganz bewusst typische Klassikkonzerte. Ausflüge in andere Konzertformate fehlen dagegen. „Es gibt schon so viele andere Konzertformen, da freuen sich die Leute darauf, ein pures Erlebnis haben zu können“, sagt der künstlerische Leiter Thomas Berning vor Beginn des neuen Zyklus mit sechs Konzerten.

Wie immer startet die Saison mit einem Orchesterkonzert am Tag der Deutschen Einheit. Auf dem Programm am 3. Oktober steht mit Wolfgang Amadeus Mozart einer der Klassiker schlechthin. Da-neben steht ein Werk des Komponisten Louis Spohr. Unter Bernings Dirigat spielt das Orchester der Philharmonischen Gesellschaft, ergänzt durch den Solo-Klarinettisten Jochen Tschabrun.

Als künstlerischer Leiter dirigiert Berning, der in Pader-born zugleich als Domkapellmeister wirkt, die Konzerte des Orchesters der Philharmonischen Gesellschaft und ist für die Jahresprogramme verantwortlich. Die Konzerte in der Kaiserpfalz sind für ihn denen im Wien zu Beginn des 19. Jahrhunderts ähnlich. Wie bei diesen Akademiekonzerten sei das Publikum dicht dran und sieht die Musiker - anders als in großen Konzerthallen. Ganz klassisch ist auch der Aufbau der Konzerte: erste Hälfte, Pause, zweite Hälfte. Da die Menschen Komponisten-Schwergewichte wie Mozart, Ludwig van Beethoven oder Joseph Haydn am liebsten hören, stehen diese bei den Orchester-konzerten auch stark im Fokus.

Etwas anders ist es bei den Kammerkonzerten, sagt Nils Gronemeyer, Vorsitzender der Philharmonischen Gesellschaft. Da geht es musikalisch auch schon mal in andere Epochen und Richtungen. „Wie die ungarische Csardas-Musik oder argentinische Tango-Klänge.“

Ein zeitlich und inhaltlich dann auch breiteres Programm bietet mit William Byrd, Dmitri Schostakowitsch und Ludwig van Beethoven das Delian::Quartett am 8. November. Heute sei das Streichquartett sehr berühmt, sagt Berning. Sein allererstes Konzert hatte der Vierer übrigens im Jahr 2007 der Kaiserpfalz auf Einladung der Philharmonischen Gesellschaft.

Die besondere Qualität des Delian::Quartetts ist dabei kein Einzelfall. „Alles, was hier spielt, das muss auch woanders bestehen können“, betont Berning. „Wir haben hier keine Provinzmusiker oder Laienspielscharen.“ Dies gelte auch für das Orchester der Philharmonischen Gesellschaft, in dem nur Top-Musiker spielten.

„Eigentlich ist es ein Projektorchester", sagt Gronemeyer. Die Musiker stammen überwiegend aus Hannover, wo sie Mitglieder des Niedersächsischen Staatsorchesters und der Radiophilharmonie des NDR Hannover sind. Konzertmeister Michael Wild und Katrin Strobelt kümmern sich darum, dass für die einzelnen Konzerte in Paderborn immer ausreichend Musiker zusammenkommen. „Die haben ein unglaubliches Netzwerk“, so Gronemeyer.

Vor den Konzerten reist Berning für Proben für zwei bis drei Tage nach Hannover. Trotz der stets unterschiedlichen Zusammensetzungen merke er, „dass die sich gut kennen und aufeinander ein-gespielt sind. “ Entstanden ist die Paderborn-Hannover-Verbindung bereits unter Bernings Vorgänger als Domka-pellmeister Theodor Holthoff, der die Philharmonische Gesellschaft 1988 gemeinsam mit dem Unternehmer Hermann Sittig ins Leben gerufen hatte.

Wichtig sei der Philharmonischen Gesellschaft auch die Förderung junger und aufstrebender Musikerinnen und Musiker. Dazu zählt das jährliche Konzert der Jungen Sinfoniker OWL, die am 24. Januar 2027 mit Stücken von Johannes Brahms, Antonín Dvořák und Kurt Weill in der Paderhalle (Dirigentin Anne Hinrichsen, Klaviersolist Julian Gast) auftreten. „Die haben ihr Niveau gut entwickelt und passen gut in unsere Reihe“, sagt Berning.

Der Sitz der Jungen Sinfoniker mit rund 60 Musikern ist zwar in Bielefeld, es sind aber immer auch Paderborner darunter. Wie Gronemeyer sagt, werde versucht, dieses Konzert besonders für junge Leute zu bewerben - etwa über die Städtische Musikschule. Das Ganze gehe in Richtung Familienkonzert.

Berning steht dann wieder beim Streichorchester der Phil-harmonischen Gesellschaft am 21. Februar 2027 in der Kaiserpfalz am Dirigentenpult. Knapp 20 Streicher geben dann Werke von Mozart, Felix Mendelssohn Bartholdy und Peter I. Tschaikowsky.

Das zweite Kammerkonzert der Saison am 11. April 2027 in der Kaiserpfalz bieten die beiden Solisten Júlia Pusker (Violine) und János Palojtay (Klavier). Die beiden spielen Werke von Beethoven, Clara Schumann und Franz Schubert. Für die international schon sehr erfolgreiche Pusker ist es die Premiere in Paderborn.

Die Werkauswahl für einen Termin entsteht gemeinsam mit den Musikern, sagt Berning. Er lasse sich zwei, drei Vorschläge schicken. „Dann spricht man sich ab.“ Dabei würden die Musiker zunächst verstärkt zeitgenössische Kompositionen anbieten, weil sie davon ausgingen, dass dies gewünscht sei. „Doch in Paderborn dürfen sie bei der Klassik aus dem Vollen schöpfen.“ Aber manchmal stelle er auch dem Paderborner Publikum musikalische Herausforderungen.

Doch der bisherige Ansatz zahlt sich für die Philharmonische Gesellschaft aus. Sie hat rund 400 Mitglieder und die 320 Plätze in der Kaiserpfalz, dem Lieblingsdomizil, sind immer zu mehr als 50 Prozent allein durch Abonnenten gefüllt. Und sollte ein Konzert ausverkauft sein, wird noch ein Stuhl hinzugestellt. „Wir haben noch nie jemand nach Hause geschickt", sagt Gronemeyer.

Zugleich gehen auch die Paderborner neue Wege und sind jetzt auf Instagram aktiv. So werde versucht, neue Besucherschichten zu erreichen, erklärt Gronemeyer. Und auch der Ticketverkauf läuft in dieser Saison anders. Karten gibt es online unter phg-paderborn.de über eine Kooperation mit dem Team Wohlsein und an der Abendkasse, allerdings nicht mehr im Ticket-Center.

Zum Abschluss am 13. Juni 2027 dürften dann alle Klassik-Fans begeistert sein, die den Auftritt der Nachwuchsmusiker Kolja Berning (Thomas Bernings Sohn/Dirigent) und Flavia Napolitano (Violine) mit dem Orchester der Philharmonischen Gesellschaft im Dezember 2025 in der Paderborner Abdinghofkirche erlebt haben. Beide sind - zusammen mit dem Orchester der Philharmonischen Gesellschaft - mit einem reinen Mozart-Programm erneut zu erleben. „Das wird viele freuen, dass die noch einmal auftreten“, sagt Thomas Berning, der für das letzte Drittel den Stab von seinem Sohn übernehmen wird.

Mit dem Programm hoffen Berning und Gronemeyer, viele Interessierte für einen Konzertbesuch zu gewinnen - nicht nur die Stammgäste und Klassikfans. Es sei keine geschlossene Gesellschaft, sondern eine offene. Quasi aus der Stadt für die Stadt.

aus: Neue Westfälische, Paderborn, 15. September 2026, Text und Foto von Holger Kosbab


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