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Beeindruckend anspruchsvoll
Junge Sinfoniker OWL begeistern das Publikum in der Paderhalle Dirigent Bernd Wilden führt eigenes Werk auf
Paderborn. Ein anspruchsvolles Programm hatten die Jungen Sinfoniker OWL für ihr Konzert in der Paderhalle vorbereitet. Stürmischer Applaus war der Dank des Publikums für einen rundum gelungenen Abend.
In der gut besuchten Paderhalle präsentierten die Jungen Sinfoniker OWL am Sonntag ihr Winterprogramm als Gäste der Philharmonischen Gesellschaft Paderborn. Das Konzert, gefördert von der Volksbank Paderborn, bot ein anspruchsvolles Programm mit Werken von Leonard Bernstein, Bernd Wilden und Antonio Dvofak - und wurde zu einem eindrucksvollen Beleg für das hohe musikalische Niveau dieses Jugendsinfonieorchesters.
Dass das Konzert mit erheblichem Schwierigkeitsgrad in lediglich neun Probentagen erarbeitet worden war, verlieh der Leistung der rund 80 jungen Musikerinnen und Musiker im Alter zwischen 14 und 22 Jahren besonderes Gewicht. Das begeisterte Engagement des Orchesters wirkte dabei spürbar ansteckend auf das Publikum.
Seit 1973 sind die Jungen Sinfoniker OWL das Jugendsinfonieorchester der Region Ostwestfalen-Lippe. Die Mitglieder sind Preisträger des Wettbewerbs „Jugend musiziert". Als Patenorchester der Bielefelder Philharmoniker pflegen die „JuSis" seit 2011 damit eine enge Verbindung zur professionellen Orchesterszene. Bereits seit 2008 gastieren sie regelmäßig in Paderborn.
Den Auftakt bildete die Ouvertüre zu „Candide" von Leonard Bernstein. Die konzertante Ouvertüre ist längst zum bekanntesten Teil des zwischen Oper, Operette und Musical changierenden Werkes geworden, dessen literarische Vorlage Voltaires bissige Satire „Candide ou l'optimisme" ist. Die orchester-virtuose Partitur mit ihren rhythmischen Raffinessen und satirischen Zuspitzungen meisterten die jungen Musiker mit ambitionierter Spielfreude.
Als besonderer Programmpunkt folgte das „Konzert für Kontrabass und großes Or-chester" von Bernd Wilden (*1966), der die „JuSis" bereits zum fünften Mal leitete. Das Werk, eigens für die Jungen Sinfoniker komponiert, wurde erst wenige Wochen zuvor in Bielefeld uraufgeführt. Solist war der aus Oerlinghausen stammende Daniel Matthewes, dem der Komponist den anspruchsvollen Solopart gleichsam „auf den Leib geschrieben" hatte.
Angesichts der überschaubaren Zahl an Solokonzerten für Kontrabass - etwa von Bottesini, Dittersdorf, Francaix oder Hans Werner Henze – erwies sich Wildens Beitrag als überzeugende Erweiterung des Repertoires. Das rhythmisch geprägte Werk mit exklusivem Schlagzeugeinsatz bestach durch farbenreiche Orchesterklänge und spannungsvolle Passagen. Anklänge an Mahler, Prokofjew oder Schostakowitsch waren hörbar, ohne je in bloße Nachahmung zu verfallen. Die Aufführung geriet zu einem der Höhepunkte des Abends, getragen von einer solistisch-virtuosen Glanzleistung Matthewes. Für den frenetischen Beifall bedankte sich der Solist mit dem „Capriccio Nr. 2 in e" von Miloslav Gajdos.
Nach der Pause stand Antonio Dvoraks Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95, die „Sinfonie aus der Neuen Welt", auf dem Programm. Auch hier überzeugte das Orchester durch eine erstaunlich souveräne Bewältigung der technisch wie musikalisch anspruchsvollen Partitur. Imposante Blechbläsereinsätze, zahlreiche gelungene Solostellen und eine überzeugende Gestaltung der großen dramatischen Bögen wie auch der sensiblen The-men zeichneten die Interpretation aus. Der langanhalten-de Applaus am Ende war Aus-druck großen Respekts für die Leistung dieses jungen Orchesters.
Als heitere Zugabe erklang schließlich „The Typewriter" von Leroy Anderson. Der junge Schlagzeuger Linus Kralemann übernahm den Solopart an der mechanischen Schreibmaschine und erntete dafür stürmischen Beifall - ein beschwingter Abschluss eines rundum lobenswerten Konzertabends.
aus: Westfälisches Volksblatt, Paderborn, 3. Februar 2026, Text und Fotos Hermann Knaup

