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Ausnahmekünstler überzeugen
Kammerkonzert der Philharmonischen Gesellschaft Paderborn in der Abdinghofkirche
PADERBORN (WV). Zahlreiche Musikfreunde erlebten am Sonntag in der ansprechenden Atmosphäre der Abdinghofkirche einen hochkarätigen Kammermusikabend. Die Philharmonische Gesellschaft Paderborn hatte dazu das Amatis Piano Trio engagiert.
Auf dem Programm standen Werke von Beethoven, Poulenc, Horovitz und Schubert. Mit dem Amatis Piano Trio und dem Klarinettisten Ib Hausmann waren Interpreten zu Gast, die für besondere künstlerische Qualität stehen. Das 2014 gegründete, junge und sympathisch wirkende Trio mit Lea Hausmann (Violine), Samuel Shepherd (Cello) und Mengjie Han (Klavier) konnte sich in kurzer Zeit international etablieren.
Bereits im Gründungsjahr debütierte das Ensemble im Amsterdamer Concertgebouw, gewann renommierte Wettbewerbe, wurde zu BBC New Generation Artists ernannt und als ECHO Rising Stars ausgezeichnet. In diesem Jahr stehen Konzertreisen nach Südamerika und China an. Selbst der TV-bekannte Geiger Daniel Hope würdigte das Trio schon früh als „herausragendes Ensemble“.
Den Auftakt des Paderborner Konzertabends bildete Ludwig van Beethovens „Trio für Klavier, Klarinette und Violoncello B-Dur op.11". Der populäre Beiname „Gassenhauer-Trio" dieses Werkes resultiert aus dem dritten Satz: Beethoven verarbeitet dort das damals verbreitete Opern Terzett „Pria eh´io l´impegno" aus Joseph Weigls Erfolgsoper „L´amor marinaro". Dieses Thema wird im Finale gekonnt variiert. Auch wenn es sich um ein frühes Werk Beethovens handelt, so zeigt es bereits seine Meisterschaft in der Kunst der Variation. Das dynamische Zusammenspiel dieser untypischen Trio-Besetzung war von den Instrumentalisten bestens aufeinander abgestimmt.
Mit „Invitation au château“ („Einladung ins Schloss“) von Francis Poulenc für Violine, Klarinette und Klavier aus dem Jahr 1947 wechselte die Atmosphäre. Diese Suite aus musikalischen Miniaturen führt als Bühnenmusik zu Jean Anouilhs gleichnamigem Schauspiel in eine andere Welt: Walzer, Menuett, Polka, Tango und Boston (valse-hésitation) verschmelzen hier zu einer musikalischen Gesellschaftssatire voller Charme und subtiler Ironie. Lea Haumann (Violine), ihr Vater Ib Hausmann (Klarinette) und Mengije Han (Klavier) trafen den Tonfall dieser Musik mit Empathie und spielerischer Präzision. Die elegante Melodik, die feinen harmonischen Schattierungen Poulencs wurden mit hörbarer Spielfreude umgesetzt.
In der virtuosen „Sonatina für Klarinette und Klavier" von Joseph Horovitz stellte Ib Haus-mann seine solistischen Fähigkeiten und große Musikalität unter Beweis. Das Werk verbindet neoklassische Klarheit mit jazzigen Elementen. Ib Hausmann gestaltete nuancenreich und Mengjie Han war ihm ein wendiger und ebenbürtiger Partner am Klavier.
Zum Abschluss erklang Franz Schuberts B-Dur-Trio op. 99 - ein Werk von sinfonischer Dimension, entstanden nur ein Jahr vor dem frühen Tod des Komponisten. Hinter der oft heiteren Oberfläche öffnen sich dramatische Abgründe, und das Finale, ein Rondo über ein schlichtes Tanzthema, wächst zu monumentaler Größe. Das Amatis-Trio überzeugte hier mit tiefgründiger Musikalität, homogener und nuancenreicher Klanggestaltung sowie mit pianistischer Brillanz, die den Raum mühelos füllte.
Für den langanhaltenden, begeisterten Applaus bedankten sich die Musiker mit einer Bearbeitung des irischen Liedes „Londonderry Air (Danny Boy)", die ein eindrucksvolles und erfreuliches Konzerterlebnis ausklingen ließ.
aus: Westfälisches Volksblatt, Paderborn, 3. März 2026, Text und Foto von Hermann Knaup

